Blutprobe

Die hier abgegebene Blutprobe ist nicht immer aus Herzblut. Manchmal ist es auch nur ein wenig Blut aus einem Pieks am Finger. Oder von einem Schnitt. Aber immer stammt es aus meinem Inneren und ist durch meine Adern geströmt, bevor es hier landete.

Oder um es ganz unverschwurbelt auszudrücken: Hier stelle ich immer mal wieder einen Text von mir ein.

Diese Blutprobe ist schon etwas älter. Eine kleine Spielerei.

Die Sache mit dem M

Marion war ein sehr ordentlicher Mensch. Alles in ihrem Leben presste sie in ein Muster, und alles, was nicht in dieses Muster hineinpasste, hätte sie am liebsten ignoriert. So hatte sie auch ihren Garten nach dem Alphabet geordnet. Minze, Melisse, Majoran und Mohn standen gemeinsam im gleichen Abschnitt ihres Kräuterbeetes. An die Ecken dieses Abschnittes hatte sie einen Mirabellen- und einen Maulbeerbaum gesetzt.
Großen Kummer bereitete ihr die Küche. Selbst Marion musste einsehen, dass sie ihr Muster hier nicht durchhalten konnte. Denn sonst hätte das Mehl neben der Milch und diese wiederum neben dem Müll gestanden. Meistens überließ Marion die Küche deshalb ihrem Mann. Sollte er doch zusehen, wie er durch diesen Murks hindurchfand. Trotzdem meckerte Marion permanent wegen der Küche an ihm herum. Anfangs hatte er sie noch hämisch gefragt, ob sie unter ihrer Menstruation leide, oder an PMS, weil sie so mies gelaunt war. Marion zog sich dann schmollend zurück und sortierte die Bücher. Am meisten Freude machte ihr die Familie Mann. Hier konnte sie die Bücher innerhalb des Namens Mann auch noch nach den Vornamen der zumeist männlichen Autoren sortieren.
Marions Mann merkte, dass seine Frau immer mehr Misstrauen gegenüber der unordentlichen Welt außerhalb ihres Heimes entwickelte. Schließlich machte sie keinen Schritt mehr vor die Tür.
Ihr Mann dachte immer öfter daran, sie loszuwerden. Er stellte sich vor, wie er mit dem Messer in der Hand von hinten auf sie zuschlich, ihr den Mund zuhielt und einen Mord beging. Meistens schämte er sich dann für diese mentalen Ausrutscher.
Als aber Marion eines Tages monierte, wieso das Marzipan nicht bei den Messern läge, merkte er, dass die Mordlust in ihm immer mächtiger wurde. Mitten an einem sonnigen Tag im Mai murkste er Marion ab. Da Marion sowieso schon mehrere Monate nicht mehr draußen gewesen war, merkte zunächst niemand etwas von dem Mord. Aber irgendwann vermisste Marions Mutter ihr dreizehntes Kind. Sie schickte Adam, ihren ältesten Sohn los, Marion zu suchen.
Marions Mann leugnete zunächst alles und behauptete, Marion habe ihn verlassen und sei nach Marokko ausgewandert. Adam wusste aber, dass Marokko ein viel zu unordentliches Land war, als dass Marion je einen Moment in Erwägung gezogen hätte, dorthin zu migrieren.
Der Mord kam heraus, als der neue Mieter, der jetzt in Marions Zimmer wohnte, den Garten umgrub. Zwischen Melisse und Majoran stieß er auf die modernde Leiche.
Marions Mann wurde verhaftet und sitzt nun seit mehreren Monaten im Münchner Gefängnis. Als er merkte, dass er im Block M untergebracht wurde, dachte er kurz daran, sich umzubringen. Er tat es aber nicht, sondern besuchte stattdessen einen Malkurs und ist nun weit über München hinaus bekannt als der Maler von Block M.

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